Kraftquelle


Es gibt Dinge, die würde man gern gut können.
Bei mir ist das: Ein Instrument.
Ich würde gerne ein Instrument so richtig gut spielen können.
Meine Fertigkeit reicht aber nur für ein paar Gitarrenakkorde.

Singen freut mich.
Ist aber noch schwierig.

Tanzen freut mich.
Auch noch schwierig.

Musik hören freut mich.
Das geht. 
Auch jetzt.
Auch in Zeiten wie diesen.

Musik ist mir wichtig.
Musik berührt mich.
Musik geht mir zu Herzen.

Trägt mich in andere Welten.
Weckt Erinnerungen, Sehnsüchte, Träume.
Gibt mir Hoffnung, Trost, Vertrauen.

Auch in Zeiten wie diesen.

Das, was mir an Musikalischem schon immer gefallen hat, gefällt mir auch jetzt noch.

Rock und Austro-Pop und Reinhard Mey.
Der Grönemeyer.
Ein bisschen Klassik.
Chorgesang.
Manchmal sogar Jazziges.
Konstantin Wecker.
70er-Hits.
Kabarettistisches, Freches, Lustiges.
Kirchenmusik.
Mehrstimmiges.

Aber mein Musikgeschmack hat sich erweitert.
In Zeiten wie diesen.

Wenn es „Klingendes Österreich“ mit Sepp Forcher noch geben würde, wäre das wahrscheinlich meine aktuelle Lieblingssendung. Und er, der Sepp, mein Lieblings-Ansager.

Am Sonntagabend werden die „Wirtshausmusikanten“ eingeschaltet, weil da echte Volksmusik zu hören ist (und der Dominik Glöbl rein optisch noch vor dem Sepp Forcher kommt).

Bei der Vorstellung, dass ich übers Tanzparkett schwebe, geben nun „Die fidelen Lavanttaler“ und „Die jungen Oberkrainer“ den Takt vor.

Und ich gestehe:
Manchmal ist mir auch nach ganz argen Schmachtfetzen!
Da schmettern dann Daliah Lavi und Karel Gott „Ich bin da, um dich zu lieben“ in meinen Kopfhörer, oder die Kastelruther Spatzen trällern von der „Brücke ins Glück“.

Ich brauche diese heile Welt.
In Zeiten wie diesen.
Und Postkartenromantik.
Und Wohlklingendes.
Und Melodisches.
Und Schönes.
Und Kitschiges.
Und Rührseliges.

In Zeiten wie diesen.

Realitätsferne?
Verdrängung?
Ausweichmanöver?

Ja, gewiss.
Aber egal.
Vollkommen egal.

Ich höre die Musik, die ich hören will.
Ich lausche dem, was mir guttut.
Ich nehme alles, was mich in positive Stimmung versetzt.

Denn ich will wieder singen.
An Tagen wie diesen.