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Die Keks und ich

Heute denken wir einmal ganz arg in Schulbladen.
Wir teilen die Menschen in Kekserlback-Kategorien ein.

Und zwar so:

Kategorie 5
Backt keine Kekse.

Kategorie 4
Backt Kekse, weil man Kekse backen muss.

Kategorie 3
Backt Kekse, weil alle gerne Kekse essen.
Backt einfach und praktisch.
Die meisten Kekse sind gut.
Manche sogar sehr gut.

Kategorie 2
Backt Kekse, weil alle gerne Kekse essen.
Bezeichnet Keksbacken als Meditation.
Kann am heimlichen Keksback-Wettbewerb teilnehmen und hat Chancen aufs Podest.
Backt Kunstwerke in Ein-Euro-Münzengröße.

Einfach traumhaft, zweifach gefüllt, dreifach gewälzt, vierfach glasiert.

Mindestens zwölf Sorten.

Kategorie 1
Königsklasse
Backt Kekse, weil alle gerne Kekse essen.
Bezeichnet Keksbacken als vorweihnachtliche Lebensaufgabe.

Backt so große Mengen, dass sie in Zehn-Kilo-Einheiten verkauft werden können.
Backt Kunstwerke in 20-Cent-Münzengröße.

Einfach traumhaft, zweifach gefüllt, dreifach gewälzt, vierfach glasiert.

Mindestens achtzehn Sorten.

In welche Kategorie ich falle? 
Naja, eine große Liebesgeschichte wird das nicht mehr zwischen dem Keksbacken und mir.
Ich bin eine typische Kategorie 3-Bäckerin.
Bei mir muss es schnell gehen.

Es darf nicht kompliziert sein.

Kleine Mengen sind mir am liebsten.

Daher bewundere ich alle, die in Kategorie 1 oder 2 fallen.

Diese fleißigen KünstlerInnen verdienen meinen größten Respekt.
Denn ich habe weder die Geduld noch die Feinmotorik noch die Ausdauer, um zu diesem Kreis zu gehören.

Ich bin eine sehr durchschnittliche Keksbäckerin.

Und vor Fehlversuchen leider nicht gefeit.

Manchmal bilde ich mir ein, dass ich das doch auch können könnte.

So wunderschöne, wohlgeformte und zarte Teilchen herstellen, eins wie das andere, gleichmäßig und wie von Konditorhand.
Heuer habe ich, um diesem Ziel etwas näher zu kommen, neue Keks-Ausstecher in Lilienform bestellt. Den Teig habe nach einem erprobten Rezept geknetet.
Leider hat das alles nicht geholfen.

 

Die „schönen“ Lilien sind so aus dem Rohr gekommen:

verzogen und schief und vollkommen außer Form.
Außerdem dick. Sehr sogar.

 

Ratlos habe ich nach einer Erklärung gesucht.

Gefunden habe ich keine.

Zum Verzweifeln ist das.

Und außerdem bereits die zweite Sorte, die mir misslungen ist.

Vor ein paar Tagen habe ich mich schon einmal ärgern müssen wegen Mürbteig & Co.

Da hab ich ein Rezept etwas abgewandelt, weil ich gewisse Zutaten nicht daheim hatte und mir außerdem die Zubereitung zu aufwändig erschien.

In meinem Keksback-Kopf habe ich mir ausgedacht, wie es einfach und anders gehen könnte.

Beim Kochen mach ich es ja oft so, dass ich ein Rezept anpasse, etwas zufüge oder weglasse und es mit den Mengen nicht so genau nehme. Und ich bringe dabei immer etwas Gutes, Essbares, Ansprechendes zustande.

 

Beim Keksbacken ist das leider nicht so.

Keksbacken erlaubt keine Improvisation.

Keksbacken ist Arbeit nach Maß und Gramm und Millimeter.

Auch die Gesetze der Chemie sollte man berücksichtigen.

Und all das, Chemie und Physik und Mathematik und Genauigkeit und Berechnung, ist nun überhaupt nicht meine Welt.

Bei meinen besagten Impro-Keksen ist die Fülle ausgelaufen und in der Folge verbrannt, außerdem sind die Teilchen unglaublich groß und breit und hart wie Stein geworden.

Trotzdem:
Nein, meine Familie ist nicht zu bemitleiden!
Denn ich bringe essbare Kekse auf den Teller.
Geschmacklich gut, optisch nicht immer.
Und mein Kletzenbrot ist Weltklasse.
Für mich.

Weil ich es allein essen kann. 

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Kommentare: 16
  • #1

    Pfeil Anni (Sonntag, 12 Dezember 2021 10:56)

    Einfach nur super wie du schreibst�ich freue mich so.

  • #2

    Barbara (Sonntag, 12 Dezember 2021 11:14)

    Ich hab mir letztens 2 Sorten verbrannt, jetzt trau ich mich nicht nimmer drüber weil alles passiert mir immer 3x ......dich hätte ich durchaus in Kat.2 eingestuft! Ich freu mich schon auf die weihnachtliche Verkostung

  • #3

    Andrea Eder (Sonntag, 12 Dezember 2021 12:10)

    Carmen echt toll geschrieben.

  • #4

    Vroni Fischl (Sonntag, 12 Dezember 2021)

    Carmen beim Schreiben bist auf alle Fälle in der Kategorie 1 Königsklasse. Voi gutt!!

  • #5

    Tante Agnes (Sonntag, 12 Dezember 2021 13:27)


    Toll geschrieben ,ich gehöre auch in deine Kategorie ,es muß schnell u.einfach sein ,aber gut schmecken soll es auch .Obwohl ich schon so alt bin ,geht manchmal immer noch etwas daneben . Meine beiden Männer freuen sich und essen sie trotzdem.

  • #6

    Carmen (Sonntag, 12 Dezember 2021 14:18)

    Vielen Dank euch allen!!!
    Ja, das Keksbacken lässt uns Frauen einfach nicht kalt... jede hat ihre eigenen Rezepte und Erfahrungen und auch Reinfälle. Trotzdem: Nach Weihnachten sind die Dosen großteils leer - und das ist doch das schönste und beste Kompliment für unsere Mühen!
    Schönes Backen und Naschen!

  • #7

    Otto Märzinger (Sonntag, 12 Dezember 2021 14:36)

    Esse eigentlich die Kekse von jeder Kategorie sehr gerne. �

  • #8

    Carmen (Sonntag, 12 Dezember 2021 16:56)

    Die von Kategorie 5 auch?... ;-D

  • #9

    Christine Lauß (Sonntag, 12 Dezember 2021 18:02)

    War lange in der Kategorie 4 unterwegs, und seit ca. 3 Jahren in Kategorie 5 - und ich liebe es! Habe lange gebraucht, bis ich mir selbst eingestanden habe, dass ich keine Kekse backen MUSS, wenn ich das nicht will! Mi gfreids einfach net! Habe andere Qualitäten, Kekse backen gehört definitiv nicht dazu!
    Ab und zu kauf ich mir ein Teller selbst gebackene, oder ich bekomme welche von Kolleginnen oder Nachbarinnen, die Mitleid mit mir haben �, und beim Essen gehöre ich auf jeden Fall in Kategorie 1!
    Liebe Carmen, wie immer super und treffend geschrieben!
    LG Christl

  • #10

    Carmen (Sonntag, 12 Dezember 2021 18:44)

    Super, Christl! Da bin ich voll bei dir - man darf Prioritäten setzen! Und die Kategorien 1 und 2 brauchen ja eh Abnehmer...
    Danke jedenfalls für deinen Input zu den Kategorien 4 und 5, die hab ich beim Beschreiben eh schwer vernachlässigt! :-)

  • #11

    Carmen (Sonntag, 12 Dezember 2021 18:49)

    Und Otto schick ich dir mal zum Kategorie-5-Kekskosten vorbei... Im Notfall hat er ja welche vom Eibl dabei �

  • #12

    Christine Lauß (Sonntag, 12 Dezember 2021 18:54)

    Ja genau, also in Kategorie 5 hab ich immer was daheim, da darf er gern kommen
    :)

  • #13

    Evi Bitzan (Dienstag, 14 Dezember 2021 10:24)

    Sehr fein geschrieben! Ich werde mir, wenn ich darf, den Begriff " Impro-Kekse" ausborgen :) Ich habe Kat.1 und 2 - Bäckerinnen als Weihnachts- ElfInnen fix zur Seite! Da klappt's gut und meine "Verdrehten" fallen nicht auf.

  • #14

    Carmen (Dienstag, 14 Dezember 2021 14:47)

    Danke Evi!
    Falls du eine eigene Sorte "Impro-Kekse" kreiert hast, hätt ich gern das Rezept bitte...:))

  • #15

    Gisi Moam (Montag, 20 Dezember 2021 17:26)

    Mir geht sKeksbacha afn Keks, drum nasch i auswärts.

  • #16

    Carmen (Mittwoch, 22 Dezember 2021 09:59)

    Kimm za uns zum Auswärtsnaschen, Mina hat a fleißig gebacken!