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Heimkommen

Nach genau einem Monat Spitalsaufenthalt durfte ich gestern, am Geburtstag meines Mannes, heim. Am Tag zuvor habe ich mir meinen ersten Kaffee – ganz ohne Sauerstoff – geholt. Ich habe wieder allein, ohne zugeführten Sauerstoff geatmet. Meine Lunge hat das nach all den Strapazen geschafft.

 

Ich bin fasziniert und begeistert von diesem, meinem Organ, das eine unglaubliche Regenerationsfähigkeit und Stärke an den Tag legt, nach all dem, was es in den letzten Wochen und Monaten aushalten musste. Auch heute, am ersten richtigen Tag daheim, habe ich es schon auf 4 sauerstofffreie Stunden gebracht.

 

Als ich gestern heimkam, unser Haus betrat und meine Liebsten drückte, fühlte ich mich sofort wohl. Der vertraute Geruch, die vertraute Umgebung und alles so aufgeräumt und sauber! Meine Familie hat sich so viel Mühe gegeben, unser Zuhause schön herzurichten für meine Heimkehr.

 

Ich stand im Wintergarten und im ersten Moment kam mir alles so unwirklich vor.

 

Kurz vergaß ich die Verzagtheit, die Ängste, die Sorgen und das „Froh, noch am Leben zu sein“.

Kurz vergaß ich, wo ich die letzten 4 Wochen gewesen war.

Kurz vergaß ich, wie sehr auch meine Lieben unter meinem Zustand gelitten haben, wie belastend, tränenreich, traurig und angsterfüllt die vergangene Zeit für sie war.

 

Wir setzten uns zusammen und aßen eine feine Schwarzwälder-Kirschtorte von der Schwiegermama.
Ich hatte so viel zu erzählen, redete wie ein Wasserfall.

Das war anstrengend, und es musste dann doch der Sauerstoffschlauch wieder ein Weilchen aushelfen.

 

Im Spital redet man nicht so viel. 

Wenn man Glück hat, hat man nette Zimmerkolleginnen, mit denen man sich unterhalten kann.
Dann kommuniziert man natürlich auch mit Ärzten und Pflegepersonal.

 

Und dann ist man wieder ganze Halbtage still.

Man schaut aus dem Fenster, hört Musik, schaut fern, liest, schreibt und scrollt am Handy, isst, feilt die Nägel, döst vor sich hin, denkt an daheim, lässt alles nochmals vorbeiziehen, weint, genießt die Sonne, schluckt Tabletten, freut sich über nette Nachrichten und schöne Grüße, cremt sich ein und zupft unnötige Haare aus dem Gesicht.

 

Alles in Stille.

 

Nun bin ich wieder daheim und rede.

Wir reden.

Wir sitzen beisammen.

Wir lachen.

Wir weinen.

Wir leben Alltag.

 

Noch nie habe ich das mehr genossen.

Noch nie war ich dankbarer für dieses Geschenk, das keine Selbstverständlichkeit ist.

Und noch nie war mir bewusster, wie wunderbar meine selbst gemachte Erdbeermarmelade vom Sommer nach diesem Winter schmeckt. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renate Auberger (Montag, 08 März 2021 20:19)

    Wie schön, dass du wieder Zuhause bist. Wir freuen uns mit euch. Alles Gute und wenig Sauerstoffbedarf in Zukunft���